Der Einstieg in die staatliche Internet-Zensur ist dank Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen a.k.a. “Zensursula” (CDU) und der großen Koalition wohl nicht mehr zu stoppen. Ein Initiativantrag des Berliner Bundestagskandidaten Björn Böhning sowie weiteren SPD-Mitgliedern, der im Kern vorsah, kinderpornographische Inhalte konsequent zu löschen, statt zu sperren, wurde auf dem SPD-Sonderparteitag gar nicht erst diskutiert. Dafür wurde ein Antrag des Parteivorstandes verabschiedet, der lediglich ein paar kosmetische Veränderungen am Netzsperren-Gesetz der Frau von der Leyen vorsieht. Im Kern ändert sich aber nicht viel, denn die Zensur wird eingeführt. Wohl mit weitreichenden Folgen, wenn auch kaum für die Anbieter und Konsumenten von kinderpornographischen Inhalten. Solange solche Angebote nicht gelöscht, sondern nur hinter einem Vorhang verdeckt werden, wird es immer einfach sein, diesen Vorhang wegzuziehen.
Tiefgreifende Folgen dürfte das Gesetz für das gesamte Internet haben, denn wenn die Infrastruktur erst einmal eingerichtet ist, kann sie für beliebige Inhalte eingesetzt werden, was von Seiten der CDU/CSU und diverser Interessensgruppen auch schon offen diskutiert wird. Kontrollierbar ist der Einsatz solcher Sperren in vielen Fällen nicht mehr, so dass auch viele legitime Web-Inhalte betroffen sein können – gezielt oder auch nur zufällig.
Beschlossen werden soll das Netzsperren-Gesetz am Donnerstag. Sicherlich wird nicht die gesamte große Koalition dafür stimmen, wobei sich trotzdem eine Mehrheit im Bundestag abzeichnet. Es sei denn, die “lieben Abgeordneten der SPD nutzen die einmalige Chance, den Aufbau staatlicher Internetzensur zu verhindern, indem sie mit NEIN stimmen”. Sollte dieser Fall eintreten, würde sogar ein stoppt-merkel.de-Autor aufgrund der Empfehlung, nicht die SPD zu wählen, nochmal mächtig ins Schwitzen kommen.
Die Petition gegen die Netzsperren kann übrigens noch wenige Stunden unterzeichnet werden. Mit zur Zeit fast 130.000 Unterzeichnern (Stand: 12:20 Uhr) wurde schon jetzt ein Rekord aufgestellt.